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28. Januar 2024

Die Macht der Bilder – den KünstlerInnen auf der Spur – Besuch aus der Universität Hamburg

Am Freitag, 26. Januar 2024 hatten wir besonderen Besuch im Kunstunterricht im Kunstprofil S1.

Im Rahmen des Angebots der Universität Hamburg der Fakultät für Geisteswissenschaften, Fachbereich Kunstgeschichte „Ask a Prof: Spannende Fakten aus der Welt der Wissenschaft direkt im Klassenzimmer!“ empfingen wir Frau Professorin Dr. Iris Wenderholm.

Bei „Wir wollen’s wissen“ tauschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hörsaal gegen Klassenzimmer und präsentieren ihre Forschung und die Inhalte der Lehre Hamburger Schülerinnen und Schülern direkt in der Schule.

Zunächst wurde gemeinsam erläutert, dass das Kunsthistorische Institut der Universität Hamburg eines der größten Institute für Kunstgeschichte in Deutschlands ist. Erster Lehrstuhlinhaber am Kunstgeschichtlichen Seminar wurde in den 20er Jahren der bedeutsame Erwin Panofsky. Wichtig für seinen Forschungsansatz waren die kulturwissenschaftlichen Forschungen Aby Warburgs, der sich mit den sozialen Bedingungen und Notwendigkeiten künstlerischen Ausdrucks beschäftigte. Auch heute noch ist die Universität Aby Warburg und dem Warburg-Haus sehr verbunden.

Die eigenen Vorstellungen zum Studium der Kunstgeschichte wurden abgeglichen mit den realen: „Kunstgeschichte erforscht die Entstehung, Eigenart, Funktion und Wirkung von Kunstwerken sowie von Design, Fotografie und audiovisuellen Medien in der europäischen Kultur und Geschichte seit der Spätantike.Sie beschäftigt sich mit den materiellen und ideellen Voraussetzungen dieser Kunstwerke, den künstlerischen Materialien und Techniken, der Geschichte der Künstlerausbildung, der Kunstpädagogik sowie der Kunsttheorie und Ästhetik. Außerdem wird die Geschichte der Kunstgeschichte, der Methoden und der Institutionen betrachtet.“

Als Einstieg konfrontierte uns Frau Wenderholm mit einem nahezu perfekt komponierten Bild von vier Schönheiten, deren Gestik gemeinsam ein Herz bilden.

Die aus dem ersten Semester in Bildanalyse geschulten SchülerInnen erkannten das sofort und aufgrund ihrer Medienkompetenz enttarnten sie das Bild recht schnell als AI-generiert. Es war das AI generierte Bild der K-Pop-Band Mave. Die vier Sängerinnen der südkoreanischen Formation Mave sind komplett am Computer entstanden. Für die Unterhaltungsindustrie ist das ein weiterer Schritt in Richtung Metaversum. Was bedeutet das für unsere „Bildnisse vom Ich“ und unser bisheriges Selbstverständnis von Identität?

Wie weit aber nicht nur Werbung und AI-basierte Medien uns mit Symbolen oder anderen Zeichen manipulieren oder mit uns kommunizierten, wurde auch an Renaissance- und Barockbildern verdeutlicht.

Frau Wenderholm nahm auch ganz konkret Bezug auf unsere aktuellen Erarbeitungen zum 2. Semester „Ich ist etwas Anderes – das Selbst?“. Zurzeit befassen wir uns mit der Zeit der Renaissance und Dürers Selbstbildnis als „Divino Artista“, als ein Künstler, der durch Gott ein befähigtes Werkzeug zur Schöpfung von etwas ganz Neuem sein kann.

Frau Wenderholm erläuterte das neu entwickelte Selbstbewusstsein der KünstlerInnen in der Renaissance und stellte Dürer als einen Künstler vor, der schon früh das „Branding“ mit seinem

Monogramm „AD“ betrieb und sich für Urheberrechte einsetzte.

Wir versuchten, konkrete Antworten für die Fragen zu finden, die die „alten“ Bilder an uns stellen. Der Blick auf die Geschichte hilft häufig.

Welche Symbole verstehen wir heute, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen, wie zum Beispiel Emojis, Verkehrsschilder, Piktogramme oder Logos? Welche Symbole früherer Jahrhunderte begleiten uns – versteckt – noch heute?

Wir wurden angeregt, symbolischen Formen damals wie heute mit offenen Augen zu begegnen.

Am Ende stand die Frage, was kann ich mit einem Abschluss eines derartigen Studiums machen, außer zu versuchen, eine heiß begehrte Professur im Wissenschaftsbereich zu erlangen.

Wir wurden beruhigt, dass die Absolventinnen und Absolventen in verschiedenen Bereichen tätig werden können: u.a.  in Ausstellungshäusern, Museen, im Bereich des Denkmalschutzes, in Bibliotheken und Archiven, im Bildungssektor, im wirtschaftlichen Bereich wie z.B. in Galerien und Auktionshäusern, in Versicherung und Verlagswesen.  Aber auch im Bereich des Tourismusmanagement sind Kulturreisen geleitet von KunsthistorikerInnen gefragt.

Frau Wenderholm selbst ist über Umwege Kunsthistorikerin geworden. Heute sind ihre Forschungsschwerpunkte neben der Lehre: die Bildkünste und Architektur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, besonders Italien war immer für sie von großer Bedeutung; aber auch die Materialitätsforschung, Semantiken des Materials zählen zu ihren Interessensschwerpunkten wie Universitätssammlungen und Kulturelles Erbe. So forscht sie gerade im Team zu den Ausstellungen der 30er Jahre in der Hamburger Kunsthalle.

Vielen Dank für den anregenden Besuch, liebe Frau Professorin Dr. Iris Wenderholm, für die Einblicke in die Inhalte des Studiums, in kulturgeschichtliche Aspekte und die angeregten Ausblicke, zu versuchen, die Zeichen damaliger und unserer Zeit deuten zu können, um die heutige Welt und deren „Bilder der Macht“ und „Macht der Bilder“ vielleicht ein bisschen besser verstehen zu können.

Das Kunstprofil S1 am Gym Epp

Fotos von Janina Arlt
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