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12. März 2024

Auf den Spuren der Industrialisierung

Hamburg, 1943: Der Rücken schmerzt, und in einem Umkreis von weniger als drei Metern hustet fast jeder Arbeiter. Wahrscheinlich Tuberkulose, die Krankheit der Arbeiterklasse. Einen Platz weiter sitzt eine hochschwangere Frau; sie arbeitet an einem Sozialarbeitsplatz und muss trotzdem schwerste körperliche Arbeit verrichten. Sechs Stunden sind bereits vergangen, doch bis zum Feierabend fehlt noch mindestens genauso viel. Währenddessen sterben Soldaten auf dem Schlachtfeld im Zweiten Weltkrieg. Und obwohl das Ende des Krieges absehbar ist, wurden weitere 50.000 Orden in der Fabrik in Hamburg bestellt. Sie werden mit dem Brief mitgeschickt, der den Hinterbliebenen mitteilt, dass ihr Verwandter den „Ehrentod“ gestorben ist.

Über diese Umstände und viele weitere während der Industrialisierung hat sich das PGW-Profil der zwölften Klasse im Museum der Arbeit in Barmbek informiert. Das Museum besteht aus vier Stockwerken, in denen verschiedene Ausstellungen präsentiert werden. Die Führung begann im untersten Stockwerk, wo man erhaltene Maschinen aus der Industrialisierung bewundern konnte. Noch interessanter waren jedoch die Prozesse, die zur Industrialisierung führten und von ihr beflügelt wurden. Durch die Elektrizität war es den Menschen möglich, nicht nur bei Tageslicht zu arbeiten. Neue Arbeitsplätze führten zur Landflucht und einer Trennung von Arbeiten und Wohnen. Zur Industrialisierung gehören jedoch auch die unhygienischen Bedingungen, die Krankheiten und die fehlende Sicherheit am Arbeitsplatz, die zu einer Lebenserwartung von gerade mal Mitte fünfzig geführt haben.

Wenn man eine Treppe am Ende des Ausstellungsraums hinaufgeht, gelangt man in einen Raum, wo der Blick zuerst auf eine große Druckpresse fällt. Dieses Verfahren, erfunden von Johannes Gutenberg, mit den auswechselbaren Lettern ermöglichte es, Schriften in jeden Haushalt zu bringen. Mit dem neuen Druckverfahren stieg die Informationsweitergabe an die Bürger:innen, die jetzt Zugang zu den ersten Zeitungen hatten. Besonders interessant für die Schüler:innen war die Entwicklung des Druckens auf Papier. Bevor man Schreibutensilien aus Holz gewinnen konnte, wurde Pergament, Tierhaut und Lumpen verwendet.

Wenn man an der Druckpresse vorbeigeht, erreicht man einen interaktiven Teil der Ausstellung. Durch verschiedene Ausstellungsstücke können die Besucher den Unterschied zwischen hartem und weichem Gummi erfühlen und die Entstehung von Gummi aus Latex und Kautschuk direkt miterleben. Während wir heute vor allem Weichgummi kennen, z. B. durch unsere Autoreifen, war Hamburg zur Zeit der Industrialisierung in der Produktion von Hartgummi für Gebisse, Kämme und Schreibwaren involviert. Der Rohstoff Kautschuk wurde aus Brasilien importiert und dann in Hamburg zu Gummi weiterverarbeitet. Kämme waren ein besonders wichtiger Hygieneartikel in einer Zeit, die von Enge und Dreck geprägt war.

Nach der Führung haben sich die Schüler:innen noch die Fotoausstellung im Obergeschoss angeschaut. Die Ausstellung „Man and Mining“ befasst sich mit der allgegenwärtigen Problematik der Ressourcenextraktion im Globalen Süden aus einer künstlerischen Perspektive. Allgemein konnten alle Schüler:innen bei der Exkursion neue Informationen und Denkanstöße mitnehmen, sodass das Museum der Arbeit für alle eine bereichernde Erfahrung war.

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