„Borchert – neu aufgelegt“

19. März 2018

Warum haben sich die Theaterkurse aus S4 für ihre Abschlussinszenierung gerade Wolfgang Borchert ausgesucht?

Sicherlich ist Wolfgang Borchert ein bekannter Autor, noch dazu ein Hamburger Autor. Und: Wolfgang Borchert besuchte unsere Schule. Er war 13 Jahre, als er 1935 von der Grundschule auf die Oberrealschule Eppendorf, unser heutiges Gymnasium, wechselte, vier Jahre später verließ er die Schule – ohne Abschluss. Warum hat er das gemacht? Für die meisten Schüler heute unvorstellbar. Aber es war natürlich eine andere Zeit. Im Vordergrund schulischer Bildung standen Disziplin und Ordnung. Die Unterrichtsinhalte orientierten sich am nationalsozialistischen Gedankengut. Der Krieg wurde als notwendig erachtet. Auch für das Vaterland zu sterben. Die Lehrerschaft vermittelte diese Unterrichtsinhalte, war überwiegend überzeugt davon. Wolfgang Borchert aber hatte andere Interessen, er schrieb schon selbst, träumte von der Schauspielerei. Und es ist anzunehmen, dass die Lerninhalte ihm nur wenig Anregung für seine Lebensplanung gaben, er diese auch ablehnte und mit Lehrern darüber in Konflikt geriet. All dies hat dazu geführt, dass er die Schule 1938 verließ, zuerst einmal – auf Wunsch der Eltern – eine Buchhändlerlehre begann, diese nach einem Jahr abbrach. Mittlerweile hatte er schon begonnen, Schauspielunterricht zu nehmen. Er wurde an der Landesbühne Ost-Hannover als Schauspieler engagiert und zog mit dieser Truppe durch Norddeutschland. Die Tätigkeit des Theaterspielens ließ ihm auch Zeit zum Schreiben. Diese kurze Phase zwischen Schulabbruch und Kriegsbeginn, zu dem er eingezogen wird, gehörte zur schönsten in Borcherts Leben. Und vielleicht kann man hier zwei Schlüsse ziehen:

Erstens: Es ist wichtig, seiner inneren Bestimmung nachzugehen. Das kann Verschiedenes heißen. Für Borchert hatte damals eben nicht die Schule bzw. der Schulabschluss oberste Priorität, was auch mit der politischen Situation zu tun hatte. Die Situation heute ist ganz anders, aber es bleibt die Aufgabe eines Jeden, sich mit dem, was man lernt, auseinanderzusetzen, auch mit den Veränderungen außerhalb der Schule. Und vor allem: sich kein leeres Wissen anzueignen.

Zweitens: Schule ist immer schwierig für jeden Heranwachsenden, nicht alle Wünsche lassen sich in ihr verwirklichen. Einige aber schon. Den Wunsch nach Unabhängigkeit und künstlerischer Freiheit etwa kann man heute zumindest in Teilen auch an der Schule verwirklichen. Zum Beispiel in Theaterkursen. Oder im Kunstprofil. Oder in der Schreibwerkstatt oder beim Hege-Talent, in der Zirkus-AG, im Chor! Das Gymnasium Eppendorf hat in Sachen Kultur viel zu bieten!

Vielleicht wäre Wolfgang Borchert in einer anderen Zeit und bei diesem Kulturangebot an der Schule geblieben? Vielleicht! Und wir, die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrerinnen und Lehrer sind stolz auf einen ehemaligen Schüler unserer Schule, der bis heute die Literatur der jungen Bundesrepublik, der Nachkriegszeit, prägt, der in allen Schulbüchern zu finden ist.

(Oppenländer)

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